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© Ralf Haake

Die Geschichten unserer Familie – wie sehr wurden wir dadurch geprägt?

Erfolg,… Glück,… Leid,… Verluste,… Gewinne,… die Berufe, die man leben durfte; die Beziehungen, die verboten waren; die Orte, an denen sich die Familie heimisch oder fremd fühlte … All die ach so schönen und weniger schönen Erfahrungen? Und was hat dies mit der Entwicklung unseres Charakters, sogar unserer Identität zu tun? Welche Anteile unserer Persönlichkeit wurden durch unsere Familie und deren Geschichte gebildet oder schlummern teils noch verborgen im Unterbewussten?

Selbst komme ich aus einer sehr erfolgreichen Unternehmerfamilie, die seit 1902 im Ruhrgebiet vielen Menschen bekannt war und 2003 verkauft wurde. Ebenso stamme ich ab von einer weniger erfolgreichen Unternehmerfamilie, die in Essen einen Milchladen besaß, der so lange existierte, bis meine Großmutter den Handel schloss. Beide Stammbäume verbanden sich durch die Heirat meiner Eltern; dann kam ich als drittes Kind, ein Nachzügler.

Meine Eltern und Großeltern erlebten den Krieg hautnah, doch keiner von ihnen musste mit der Waffe an die Front; darüber bin ich froh und sehr dankbar.

Würden sich all meine Familienmitglieder bei einer großen Zusammenkunft gemeinsam aufstellen können, welch beachtliche Anzahl Personen und Charaktere. Wenn man meine Großeltern, deren Kinder und Kindeskinder (also meine Generation) zusammenrechnet, komme ich auf 42. Zähle ich noch die Geschwister meiner Großeltern und ihre Urenkel hinzu, erhöht sich die Zahl der Familienmitglieder auf über 80.

Alle Erfahrungen, die wir als Familie über Generationen bewusst und unbewusst ansammelten, waren und sind mit prägend bei der Entwicklung unserer Identität. Stellen Sie sich heute mit der Fantasie Ihres heutigen Wissens den Facettenreichtum Ihrer Familie vor: wie ein riesiges Mobile – jenem im Kinderzimmer von der Decke hängendem Faden-Gebilde mit den sich im Luftzug bewegenden, drehenden vielen tollen Einzelteilen, das zum phantasievollen Träumen einlud … Das Mobile hier im übertragenden Sinn besteht aus wie unendlich vielen hellen und dunklen Erfahrungen aus familiärer Hinterlassenschaft, vielfach bewegt durch den Wind-Strudel der Zeit, auch dem der Ahnen und deren verwobenen Leben. All die Erkenntnisse aus Erlebnissen Ihrer Familie kommen zu den ganz persönlich gemachten Erfahrungen Ihres eigenen Lebens hinzu. Manch eine dieser Facetten Ihres Identität-Mobiles wird gern gezeigt, manch eine andere würde man am liebsten wegschneiden, was jedoch nicht realisierbar ist. Denn die Familienbande zu den Vorfahren lassen sich nicht wirklich kappen, ob man will oder nicht; sie sind fester als das Wort bedeutet. Bewegen wir nur eine dieser Komponenten, dann kommt das Ganze, jenes Mobile aus allem, in Bewegung.

Die letzten Tage beschäftigte ich mich sehr intensiv mit ganz bestimmten Facetten meiner Herkunft. Bei meiner Recherche wurde mir einiges deutlich, das ich in den letzen Jahren ganz bewusst versucht hatte, zu verdrängen. Das Auseinandersetzen mit diesen Anteilen meiner Familie, die bis zum heutigen Tag mein Leben beeinflusst, zeigte mir, wie hilfreich es sein kann und nun für mich nützlich wurde, sich die Bedeutung bestimmter Entscheidungen der Familie bewusst zu machen. Sie als Bestandteil meiner Persönlichkeit und Identität anzunehmen, weil meine Herkunftsfamilie bis zum heutigen Tag mein Leben eben nicht nur beeinflusst, sondern sogar quasi mitbestimmt, obwohl viele Familienmitglieder bereits verstorben sind. Beim Beschäftigen mit meiner Herkunftsfamilie wurde mir deutlich, wovor einige Familienmitglieder die Augen verschlossen; Strategien entwickelten, Erfolg oder Glück zu vermeiden oder Reichtum und Zufriedenheit anzuziehen.

Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, welche Identitätsanteile bei meinen Eltern und Großeltern angesagt waren und welche nicht, also damals mehr oder weniger in Mode waren; welche sie wohl sehnlichst gern gelebt hätten, die allerdings zur damaligen Zeit wie man sagte verpönt, tabu waren. Ebenso gibt es viele Eigenschaften, die ich auf gewissermaßen wundersame Weise auch bei mir erkenne: Bei manchen muss ich schmunzeln, wiederum andere wollte ich die letzten Jahre nicht wahrhaben. Die daraus resultierenden Erkenntnisse stimmten mich einige Tage sehr nachdenklich. Heute kann ich von einigen Wow-Einsichten und von Gefühlen der Klarheit berichten. Ich könnte auch sagen: Ich habe mich versöhnt.

Wo liegen Ihre Wurzeln? Existieren noch Quellen und Dokumente über Ihre Herkunftsfamilie? Gibt es Informationen, die sie vielleicht bei Ihren Eltern oder Großeltern erfragen könnten? Bitte unterschätzen Sie nicht die Kraft, den Halt, die Energie, die in Ihrer Herkunftsfamilie steckt und verfügbar gemacht werden kann: für Sie! Doch falls Sie nicht hinschauen wollen, weil es möglicherweise dunkle Seiten geben könnte, denken Sie auch daran, dass genau dort der „Schatz“ verborgen liegen könnte, nach dem Sie vielleicht schon lange gesucht haben – oder eventuell ohne diesen bisher zu erahnen. Nur ermuntern kann und möchte ich Sie, mal hinzuschauen, dem nachzugehen und sich mit der Vergangenheit Ihrer Familie zu beschäftigen.

Sie können sich dabei Fragen stellen, wie beispielsweise die, ob es Menschen gab, über die besonders gern gesprochen wurde; Oder gab es andere, über die zu sprechen vermieden wurde. Was macht Ihre Familie oder die verschiedenen Zweige Ihrer Familie einzigartig? Erkennen Sie einen „roten Faden“, der sich durch Generationen zieht? Und welche „Rolle“ ist Ihnen dabei gegeben worden auf der „Bühne“ Ihrer Familie?

Gern helfe ich Ihnen mit einem Fragebogen oder bei einem Telefonat, um sich dem Thema einfacher und damit besser nähern zu können.

Falls in Ihrem Leben alles glatt läuft – wunderbar. Doch falls Sie das Gefühl hätten, dass an Ihnen so etwas wie unsichtbare Fäden zerren, sich Ihr Mobile irgendwie verheddert haben könnte, oder Sie trotz aller Bemühungen nicht weiter vorankommen, dann wagen, besser probieren Sie dennoch einen zunächst erst mal nur etwas tief gehenden Blick auf Ihre Herkunftsfamilie. Wer weiß, was dort verborgen ist. Mehr kann sich später im Lauf der Zeit fast wie von selbst finden. Und wer weiß, vielleicht werden Sie danach genau der Mensch, der den Mut hat, sich einem Thema zu stellen, dass für Klarheit in Ihrem heutigen Leben sorgt.

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3 Comments

  1. Axel C. sagt:

    Interessiert an weiterer „Ermunterung“? Und zwar einer, die die Blog-Ausführungen von R.Haake bestätigend stärkt mit einer exemplarischen Schilderung: mit laaanger individueller Geschichte meinerseits. Beschrieben wird Ihnen optionaler Schatz-Reichtum aus den Zeitwellen unserer Wurzeln: Verwandte, Vorfahren, Ahnen, Namensvettern. Dann surfen Sie zu
    http://axelculmsee.blogspot.de/2017/11/wurzeln-von-sein-und-verhalten.html

    Mit schönen Web-Grüßen, A.C.

  2. Guido sagt:

    Lieber Ralf, mal wieder ein sehr inspirierender Blog zu einem Thema, mit dem ich mich auch immer mal wieder – zugegebenermaßen sehr oberflächlich – auseinandersetze. Warum bin ich so, wie ich bin? Und was haben meine Eltern damit zu tun? Und warum hat mein Bruder eine ähnliche Entwicklung, zumindest im beruflichen Sinne vollzogen, obwohl er doch irgendwie wieder ganz anders als ich ist? Ich stelle mir in diesem Zusammenhang immer wieder die Frage, was ist genetische Vorbelastung, was sind die Erfahrungen im Familienverbund noch während meiner Zeit zuhause und was haben die Erfahrungen auf dem Weg dorthin, wo ich heute stehe, damit zu tun. Ich empfinde heute eine tiefe Dankbarkeit, für das was ich erreicht habe im Sinne der Lebensumstände, unter denen ich in dieser, mich zunehmend befremdenden Welt, leben darf. Aber was das mit meiner Familie zu tun hat, weiß ich nicht wirklich. Ich denke mal darüber nach …

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