Achtung! Weihnachten naht!

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Lügen, für ein gutes Gefühl
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Letztens stand ich inmitten von Regalen zwischen Weihnachtsschmuck, bunten Kugeln, Lichterkerzen, blinkenden Nikoläusen und glitzernden Rentieren. Dort hörte ich, ohne meine Ohren zu spitzen, wie ein junger Mann seiner Freundin mitteilte: „Ich hasse Weihnachten!“

Mich hat es erstaunt, dass das Fest der Liebe so ganz andere Worte zu Tage treten lässt. Was kann denn das Fest dafür? 

Doch offensichtlich ist er nicht der einzige Mensch, der zu Weihnachten nicht nur Gefühle von Licht und Liebe empfindet. Nachweisbar sind in dieser Zeit viele Menschen von erheblichen Gefühlsschwankungen betroffen, auch Psychologen sprechen von signifikanter Gefühlslabilität. 

Eindeutig erzeugt die Weihnachtszeit bei vielen Menschen Gemütsstress. Die Werbung transportiert extrem überdrehte Familienidyllen, die vor Kitsch und Schnulzigkeit strotzen. Diese schillernden Phantasieideale zerbersten wie gläserne Weihnachtskugeln auf dem harten Parket der realen Wahrnehmung. 

Hier ein paar Gründe, warum es an den Weihnachtstagen zu ungewünschten und unangenehmen Gefühlen kommen kann:

  • Zu hohe Erwartung an die Harmonie: Befragungen zufolge bei Menschen mit hoher Schulbildung deutlich häufiger als bei solchen mit geringer; bei Besserverdienenden öfter als bei solchen mit weniger finanziellen Möglichkeiten.
  • Zu viele Besuchsverpflichtungen beklagte jeder Fünfte, vor allem die Jüngeren oder Paare, die in Patchworkfamilien allen vier Elternteilen gerecht werden wollen und – falls die Großeltern auch noch leben – uijuijui, was für ein Programm!
  • Zu reichlicher Alkoholkonsum, behauptet jeder Zehnte. Das ist offensichtlich ein Krisenfaktor, denn Alkohol reduziert die Fähigkeit der Affektregulation (Gefühlshemmung) und dann…mach hoch die Tür, das Tor mach weit für all die fest verschnürten, mit Schleifchen versehenen Gefühle und Emotionen, die mittels Alkohol geöffnet werden.
  • Streit ums Fernsehprogramm: In mehr als jeder zehnten Familie ein Problem. Tipp von mir – zu Weihnachten bekommt jeder seinen eigenen Fernseher, dann kann man drei Tage durchzappen und muss kein einziges Mal in Kontakt treten.
  • Enttäuschende Weihnachtsgeschenke irritieren nur jeden 20. (bei Menschen mit weniger Geld hingegen mehr als doppelt so viele). Der Druck, für jeden das passende Geschenk zu besorgen, kann für den Schenkenden ein echtes Problem darstellen. Mangelndes Geld, Zeit oder fehlende Fantasie, was der zu beschenkenden Person wohl gefallen könnte, sind Stressoren, die zu Weihnachten besonders hoch sind. 
  • Die Kontakt-Aufnahme (persönlich, Karte, telefonisch, E-Mail etc.) von Freunden oder Familien-Mitgliedern, zu denen man ein schwieriges Verhältnis hat. Das Hin- und Her- gerissensein – „Wenn ich nicht zum Fest der Liebe ein paar versöhnliche Worte sage, wann dann, – aber eigentlich hab’ ich keinen Bock!“
  • Alleinlebende Berufstätige bekommen meistens die Tage um Weihnachten frei. Wenn man keinen Urlaub geplant hat, führen diese freien Tage oft zu Einsamkeit anstatt zu Entspannung.
  • Arbeitsstress: Viele Projekte müssen noch vor Neujahr und vor Urlaubsbeginn fertiggemacht werden. So staut sich Arbeit und Stress-Situationen entstehen. Kein Wunder also, wenn man an den Weihnachtstagen dann nur noch seine Ruhe haben will.
  • Weihnachts-Essen: Der oder diejenigen, die für das Festmahl am Heiligen Abend oder in den Weihnachtstagen zuständig sind, fühlen sich oft überfordert. Kochen für eine große Gruppe kann nämlich in Stress ausarten. Eine Prozedur, die oft den ganzen Tag dauert. Wer sich jedoch lieber mal bekochen lassen möchte, weil man schon das ganz Jahr über kochen musste, für denjenigen kann das Zubereiten des Weihnachtsessens nervig sein.
  • Und manchmal stressen drei Tage, in denen man mit einem oder mehreren Menschen zusammen ist oder sein muss, vor denen man lieber weglaufen würde.

Also, was tun, wenn auch Sie von solchen Gefahren bedroht werden?

Vielleicht, soweit es möglich ist, das tun, wozu Weihnachten eine gute Gelegenheit wäre: Liebevoll zu sich selbst sein. Vielleicht senden Sie all denjenigen eine SMS oder WhatsApp, mit denen Sie Kontakt haben oder haben sollten:

„Liebe/r…, das Fest der Liebe naht. Und wie so oft zur Weihnachtszeit gibt es Einflüsse von außen, die rauf und runter ziehen können. Daher möchte ich mir dieses Jahr eine ausgefallene Bescherung bereiten, – ich schenke mir Liebe. Ein Geschenk, das ich nicht im Laden kaufen konnte und ich selbst ganz neugierig auf diese Form der Selbstbesinnung bin. Falls Du Dich davon angesprochen fühlst und Du Dir auch ein wenig Liebe schenken möchtest, vielleicht hättest Du Lust, Dich mit mir über Deine Erfahrungen auszutauschen…doch lieber nach der Weihnachtszeit, denn bis zum 27.12. bin ich mit meinem Geschenk beschäftigt.“

Na, wer ist mutig? Vielleicht probierst Du es mal aus mit der besinnlichen Selbstliebe, – muss ja nicht gleich drei Tage sein. 

Geh in eine Kirche, zünde mal eine Kerze für Dich an, dass Dir ein Lichtlein aufgeht und Du Dich versöhnst. Eine Kerze für all das, was Dir gut gelungen ist und das was Dir in dem vergangenen Jahr nicht so super gelungen ist. Vielleicht lässt Du die Wut, den Zorn, die Schuld, die Angst los und gibst all diese unguten Gefühle ab, – an einen der Götter, an die Du glaubst oder ans Universum. Und falls immer wieder Angst, Wut oder Schuldvorwürfe in Dir hochkommen, stellst Du für jeden Gedanken, der damit verbunden ist, eine Kerze ins Fenster und fackelst diese unguten Gefühle auf freundliche Weise ab. Lass Dich überraschen, wie viele Kerzen zusammenkommen (bei IKEA gibt s Teelichter in 100erter Packungen). 

Was Du übrig behältst ist die Liebe, – auch wenn sie Dir im ersten Augenblick nicht so groß vorkommt, schau Dir Dein Geschenk genau an. Wenn all die unangenehmen Gedanken, Emotionen und Bewertungen mal zur Seite gelegt werden – bleibt dieses Geschenk für Dich übrig.

Und wer weiß, falls all die unguten Gefühle im Schein der Kerzen für einen kurzen Augenblick verschwinden, vielleicht bleibt viel mehr Liebe für Dich und andere übrig als Du erwartet hast.

Ich wünsche Dir ein zauberhaftes Weihnachtsfest, mit Liebe für Dich und all diejenigen, die Dir wichtig sind.

Falls Du noch eine Weihnachtsgeschichte suchst: http://www.ralfhaake.de/eine-weihnachtsgeschichte/

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