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Wandel oder Sein?

Ralf Haake Korfu

Ralf Haake Korfu

Aktuell befinde ich mich an einem Ort auf Korfu, von dem man sagt, dass man von hier verändert zurückkommt. Es sollen sogenannte Leylines (heilige Linien) durch diesen Ort führen. Man sagt, dass sie eine nahezu magische Ausstrahlung haben, um etwas hervorzubringen, das sich zeigen will. Es soll etwas hervorgebracht werden, das dazu führt, dass sich im Leben all derer, die hier herkommen, etwas wandelt.

Neben dem, dass die Sonne die Hautfarbe ändert, sollen sich innere Zustände ändern. Und manch einer, der an diesen Ort kommt, hofft, mit ausreichend Wunschkraft das Bankkonto, den Partner, die Partnerlosigkeit oder die Welt zu ändern.

Zum Thema Wandel wird aktuell sehr viel geschrieben, beraten, gecoacht, gemanagt, gemacht und getan. Wandel oder in Business-Kreisen „Change“ genannt, ist grad sehr angesagt – Klimawandel, Kulturwandel in Unternehmen, der Gesellschaft, in Parteien, Wertewandel, Generationenwandel, der Wandel in Familien, ja sogar Geschlechtswandel.

Vor einigen Tagen wurde eine Frage bei Facebook gestellt: „Wie lange dauern Kulturwandel-Prozesse eurer Erfahrung nach a) in Unternehmen, b) in Schulen?“ Als Antwort wurden verschiedene Zeiträume angegeben. Da war ich baff – ich wäre nicht auf die Idee gekommen, dass Wandel in Unternehmen oder Schulen jemals endet bzw. enden sollte.

Es gibt viele Menschen, deren Beruf es ist, Wandel zu begleiten. Hier an diesem Ort finden sich vom klassischen Berater oder Coach (wie ich mich bezeichne) über Körpertherapeuten, TaiJi- oder Yoga-Lehrer bis hin zu Quantenheilern, Mantren-Singer und spirituelle Heiler eine bunte Vielfalt von Wandelbegleitern.

An all den Seminaren nehmen Menschen teil, die zu Hause ebenfalls mit Wandel zu tun haben. Wandel in Unternehmen, Wandel an Schulen, in Sportorganisationen. Sie setzen sich ein für den Wandel von wenig zu mehr Gewinn, von wenig zu mehr Integration, von wenig zu mehr Intelligenz, von zu dick oder zu dünn zu „normal“ (was auch immer Sie darunter verstehen), von traurig zu glücklich oder mindestens zufrieden, von hungrig zu satt, von dreckig zu sauber, von chaotisch zu aufgeräumt, von arm zu reich, von allein zu zu zweit oder zu mehrt.

Wandel findet ständig und überall statt, es ist ein Teil unserer Persönlichkeit unserer Natur. Und nicht nur unserer Natur, sondern auch der Natur da draußen: bei Bäumen, Flüssen, Tieren, Insekten, dem Himmel, der Erde. Wandel beginnt nicht, er ist immer da und wird kein Ende finden, solange die Welt sich dreht.

Wenn ich davon ausgehe, dass sich ständig und überall etwas ändert, frage ich mich, worin besteht der Unterschied zwischen einem erfolgreichen Wandel und einem weniger erfolgreichen Wandel?

Der neue Konzernchef hat 500 Mitarbeiter abgebaut. Erfolgreicher Wandel für ihn, doch ob die Folgen des Wandels für die 500 Entlassenen erfolgreich sind, wer weiß?

Es gibt einen Wandel durch die Produktion vieler unnützer Konsumgüter und dem Ausbeuten natürlicher Ressourcen? Erfolgreicher Wandel für all diejenigen, die davon profitieren, weniger erfolgreich für die Natur und vielleicht auch für Menschen, denen man diese Ressourcen entzieht.

Hat Wandel somit zur Folge, dass jemand etwas verliert und ein anderer etwas gewinnt?

Stephen Covey (Bestseller-Autor und Management-Guru) mahnt, dass man Win-win-Situationen anstreben sollte. Quasi ein Win-win-Wandel, der für alle Parteien unterm Strich ein positives Ergebnis bringt. Ist dies beim Wandel wirklich möglich?

Bei all dem Wandel, dem Changemanagement, den Veränderungsprozessen, die geleitet, gelenkt, gemanagt werden, bei all den inneren Prozessen, die sich verändern sollen, den Zielen, die es zu erreichen gilt, ganz gleich, ob im Privaten oder Beruflichen – ich plädiere für mehr SEIN-Management. Ich finde, ‚zu sein‘, könnte dem Wandel eine ganz neue Richtung geben. Daher mag ich diesen Ort auf Korfu, weil es hier öfter ums SEIN geht als um Wandel. Auch wenn manch einer um ein klein wenig Wandel nicht umhinkommt, um viel mehr SEIN zu können.

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