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Wahrnehmungskompetenz macht reich

© fotolia © Thomasz Zajda

Der Multimilliardär und Hedge-Fonds-Manager George Soros führt seinen Erfolg auf sein gutes Körpergefühl zurück. Bei ihm regt sich der Rücken, wenn ihm sein Körper etwas zu sagen hat. Da Soros weiß, was dieses Gefühl bedeutet, und weil er seine Körpersignale richtig interpretiert, wurde aus der Verbindung zwischen Körper und Geist bei ihm eine finanziell Früchte tragende Fusion. Viele andere Menschen aber sind nach einer solchen Fusion in die Pleite geraten.

Tja…, kommt mir bekannt vor!“

Menschen nutzen gerne Angebote, die mit dem Versprechen werben, aus wenig Geld viel Geld zu machen. Die Resultate sind allerdings oft unbefriedigend. Vielen von uns fehlt ein guter und besonnener Zugang zu unseren Gefühlen, um Investitionsmöglichkeiten so gut einschätzen zu können, wie Soros dies offenbar tat. Wenn das Verlangen nach mehr Geld von tiefer Sehnsucht nach Anerkennung, Zugehörigkeit, Autonomie, Selbstbestimmung, Macht, und dem Wunsch Neid zu erwecken geleitet ist, dann kann dieses Streben in eine Sackgasse führen.

Viele Jahre lang war mein Bestreben nach finanzieller Unabhängigkeit derart stark ausgeprägt, dass es mich tagein tagaus wie im Hamsterrad gefangen hielt. Hätte ich mir nur die Zeit genommen, mal genauer hinzufühlen, welche Bedürfnisse mich treiben. Dann wäre mir vielleicht aufgefallen, dass ich mein Ziel auch mit wesentlich weniger Geld hätte erreichen können. Doch es mussten große Summen auf meinem Konto landen, bis ich merkte, dass es trotzdem nie für jenes Leben reichte, das ich mir wünschte. Dann veränderte sich mein Leben – bzw. ich veränderte es und ehe ich mich versah, war mein Vermögen futsch. Und danach wurde das Leben erst recht ätzend. Ohne den Geldsegen und die Aussicht darauf hinterließen unerfüllbare Wünsche in mir eine bisher nicht gekannte Leere, schlechter Laune, Wut, Trauer und Ängste.

Notgedrungen begann ich, meine Bedürfnisse intensiver wahrzunehmen und sie zu hinterfragen. Ich wollte herausfinden, was es mit diesem Drang zum Geldanhäufen und -ausgeben auf sich hatte. Mir wurde klar, dass es viel leichter war, dem Geld hinterher zu rennen, statt meinen Motiven für den Dauerlauf im Hamsterrad auf die Spur zu kommen. Gefühle, die mit Geld verbunden sind, stellen eine besondere Herausforderung dar. Das Bedürfnis nach Geld ist eine wahre Goldgrube für all die unbefriedigten Sehnsüchte, Hoffnungen, Motive und Emotionen, die uns leiten und lenken – für eine auf Konsum ausgerichtete Gesellschaft, für Anlageberater und Banker, für Steuerberater und Steueroasen, für Insolvenzverwalter, und selbstverständlich auch für Coaches und Berater, ja und auch wie mich.

Man kann es sich leicht machen, indem man dem Drang seinen Geldbesitz zu vermehren einfach nachgibt. Dann ist man fokussiert, alles andere findet sich. Eine andere Möglichkeit reich zu werden besteht darin, dass man sich Klarheit über jene Bedürfnisse verschafft, die mit Geld befriedigt werden wollen. Um den Bauch mit Essen zu füllen, braucht es keine Jahresprovisionen in fünf-, sechs- oder siebenstelliger Höhe. Um dafür zu sorgen, dass ich ein Dach über dem Kopf habe, eine Familie ernähren, mich bilden, meinen Hobbys nachgehen, mir eine gute Flasche Rotwein gönnen, Reisen an schöne Orte unternehmen oder ein Auto kaufen kann, das mich und meine Angehörigen wann immer ich will von A nach B bringt – dafür braucht man schon etwas mehr.

Durch die Arbeit des Wirtschaftswissenschaftlers und Nobelpreisträger Angus Stewart Deaton wurde herausgefunden, dass 61.000 Euro im Jahr reichen, um sich als glücklich bezeichnen zu können. Nun ist nicht klar, ob brutto oder netto, ob als Alleinverdiener oder Doppelverdiener ohne Kinder, oder wie viele Kinder man haben darf, um mit dieser Summe den Grundstein für Glück zu legen. Sicher ist: Viele Menschen sind weit davon entfernt, jährlich über diesen Betrag verfügen zu können. Und viele, die über ein solches Grundeinkommen verfügen, sind dennoch alles andere als glücklich. Es gibt eine Studie, die besagt, dass man durchschnittlich elf Prozent zu wenig Geld auf dem Konto hat – ganz unabhängig davon wie viel man verdient, irgendwie ist es demnach immer zu knapp (http://www.presseportal.de/pm/118861/3486683).

Ich bemühe mich jetzt, mit meinem Bedürfnis nach dem Geldausgeben folgendermaßen umzugehen: Wenn Ausgaben anstehen, die Beträge von jeweils XX Euro überschreiten, frage ich mich, welche Bedürfnisse dahinterstecken. Da ich meiner Interpretation von Gefühlen nicht so vertrauen kann, wie George Soros seinem Rücken, bin ich bei finanziellen Entscheidungen inzwischen sehr vorsichtig geworden. Dieses Vorgehen tut nicht nur meinem Kontostand gut…

…seit ich gelernt habe, bei Geldausgaben auf meine Gefühle zu achten, fühle ich mich auch mit wenig Geld reicher denn je.

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