Mit der VUCA-Welt umgehen, heißt Affekte regulieren

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Mit der VUCA-Welt umgehen, heißt Affekte regulieren

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Wer sich aktuell mit dem Wandel von Unternehmen beschäftigt, kommt nicht umhin, sich mit Begriffen wie Arbeitswelt 4.0, Agilität, NewWork und Digitalisierung zu beschäftigen. Zusammengefasst gibt es einen zunehmend an Bedeutung gewinnenden Begriff, mit dem man die Auswirkungen bezeichnen will: die VUCA-Welt.
VUCA ist ein Akronym aus dem Englischen der Anfangsbuchstaben von volatility, uncertainty, complexity und ambiguity. Zu deutsch: Volatilität (Unbeständigkeit), Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit.

„Unsicherheit? Komplexität? Unbeständigkeit? Mehrdeutigkeit?
Wenn ich mein Leben so betrachte, dann wirken diese vier Begrifflichkeiten bereits seit meiner Geburt auf mich ein.“

Von Kindesbeinen an gab es ständig etwas Neues, mein Leben war von Anfang an ein Abenteuer – von Berechenbarkeit keine Spur. Mit auf mein Leben ständig wechselnden Einflüssen gut umzugehen, das war den Erfahrungen meiner ersten Lebensjahren zuzuschreiben. Von klein auf lernte ich, mit starken Emotionen, unberechenbaren Affekten oder großen Gefühlen mehr oder weniger gut klarzukommen.
Was sich seit meiner Kindheit kaum änderte: mein Leben ist wie ein Abenteuer. Was sich hingegen im Laufe der Jahre veränderte: die Fähigkeit, Affekte in herausfordernden Situation besser beziehungsweise klüger zu regulieren.
In früheren Zeiten war dies nicht immer der Fall. Denn manches „VUCA-Erlebnis“ ließ mich unachtsam Entscheidungen treffen. Und genau darum geht es beim Umgang mit dem, das VUCA zum Ausdruck bringt: der Umgang mit Gefühlen in Situationen, die „neu“ sind, die der Wandel, von dem so viele sprechen, mit sich bringt. Ein Wandel, der sich scheinbar immer schneller vollzieht.

In vielen Firmen erkannte ich, dass großer Wert auf Kontrolle bestimmter Prozesse gelegt wird und dabei das Ausbilden der Fähigkeit im Umgang mit unerwünschten Gefühlen oder gar selbst sabotierenden Emotionen vermieden wird. Teilweise, weil es an geeigneten Methoden und Ausbildung der Führungskräfte mangelt, oder weil die Chefetage den Umgang mit Gefühlen nicht als weiterbildungsrelevant ersieht.
Wer mit modernen Prozesssteuerungsmethoden, wie zum Beispiel Scrum, Effecuation oder Design Thinking arbeitet, ist zwar schon weit vorn, weil die Teilhabe von mehr Mitarbeitern gefordert wird. Doch sind mit mehr Mitbestimmung oder Teilhabe der Mitarbeiter auch mehr Emotionen, Gefühle, Affekte oder Stimmungen verbunden. Und an dieser Stelle werden manche Führungskräfte unruhig. Immer dann, wenn die eigenen oder die Gefühle anderer mit ins Spiel kommen, mit denen sie nicht wissen umzugehen, helfen keine Prozesssteuerungsmethoden, selbst wenn sie sehr modern erscheinen. Da jedoch gerade diese Methoden zu einer weiteren Entfesselung von Persönlichkeitsmerkmalen führen, kann dies durchaus Stress auslösen bei denen in Führungsposition. Daher halten viele von ihnen an Althergebrachtem fest. Themen wie Diversity, Gleichstellung der Geschlechter oder der Umgang mit Digital Native sind für einige Führungskräfte nur zusätzliche Herausforderungen, neben all den täglichen Herausforderungen, die bewältigt werden müssen. Ergänzt man zur beruflichen VUCA-Welt auch noch die private VUCA-Welt, wird deutlich, wie wichtig ein erfolgreiches Gefühlsmanagement wird im Verhältnis zum Prozess-, Zeit- oder Projektmanagement.

In Unternehmen, vor allem bei Leitenden, geht es in der VUCA-Welt um immer bessere Affektregulation, damit schnell und klug entschieden wird. Affektregulation heißt nicht, dass man logisch denkend (wie der Vulkanier Spock aus der TV-Serie „Star Trek“) jede Entscheidung nur mit dem Verstand trifft. Sondern, dass man in der Lage ist, Gefühle bewusst wahrzunehmen, sie zu integrieren und erst nach einem inneren Bewerten eine Entscheidung trifft, die beide Steuerungssysteme unseres Selbst einbezieht – also Gefühl und Verstand.

VUCA könnte daher ebenso Verantwortungsvoller Umgang mit Chaotischen Affekten genannt werden.
Wer daher im Berufsleben in unsicheren Zeiten erfolgreich sein und bleiben will, sollte nicht nur an Changeprozess-Begleitungen oder klassischen Führungskräftetrainings teilnehmen, sondern intensive Fortbildung in Sachen Affektregulation betreiben.
Denn eines ist klar: In einer unkontrollierbaren Arbeitswelt sind das Wahrnehmen und der Umgang mit Gefühlen mindestens genauso wichtig wie der Umgang mit Zahlen, Daten, Fakten, Bit und Byte.

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