Treffe Entscheidungen wie Julius Caesar!

Angst zu verlieren
22. März 2018
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Treffe Entscheidungen wie Julius Caesar!

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Einer Sage nach, lagerte Julius Caesar 49 vor Christi nördlich des Grenzflusses Rubikon in Oberitalien mit seinen Truppen, als er eine Entscheidung treffen musste. „Soll ich nach Rom aufbrechen und die Macht ergreifen und falls ich scheitere, Gefahr laufen umgebracht zu werden, oder bleibe ich lieber ein erfolgreicher Feldherr und mach’ mir ein schönes Leben?“ Er wog ab, schlenderte am Fluss auf und ab, trank sicherlich ein paar Hörner Wein und am Morgen sprach er: „Alea iacta est“ („Die Würfel sind gefallen.“) – und auf ging’s über den Fluss Rubikon nach Rom, um Kaiser werden zu wollen. Alles andere ist Geschichte. 

Ob’s wirklich so war, weiß keiner so genau. Was sich aber Prof. Heinz Heckhausen und Prof. Peter Gollwitzer (beide Motivationspsychologen) dachten, war: Dass dies eine gute Metapher sei, um Menschen deutlich zu machen, dass man bei klugen Entscheidungen einen Abwägungsprozess durchlebt. Dass man diesen, im übertragenen Sinne „innerpsychischen Rubikon“ erst dann überschreitet, wenn man genau weiß, was man will, so dass es kein Zurück gibt. ‚Genau wissen‘ heißt in diesem Fall, dass sowohl der Verstand sagt: „Ja, das ist richtig“ als auch der Körper ein Gefühl sendet, das man als positiv oder Zustimmung bezeichnen könnte.

Was Heckhausen und Gollwitzer mit ihrer Rubikon-Metapher sagen wollten war: Wenn der Verstand „richtig“ sagt und der Rest des Körpers ein „go“ sendet, quasi beide in einem Boot sitzen, geht’s über den Rubikon: Ich denke und fühle somit, dass mein eingeschlagener Weg zu meinem selbstbestimmten Ziel führt. 

Als Heckhausen 1987 an der Uni Bochum tätig war, wollte er nicht laut aussprechen, was er bereits ahnte: Dass nicht der Verstand maßgeblich an unseren Entscheidungen beteiligt ist, sondern die Gefühlswelt des gesamten Körpersystems. Erst der deutsche Psychotherapeut und Hochschullehrer Prof. Klaus Grawe sprach einige Jahre später aus, worüber sich heute alle anerkannten Wissenschaftler einig sind: Dass für eine kluge Entscheidung das Gefühl mindestens so wichtig ist wie der Verstand.

1991 banden Dr. Maja Storch und Dr. Frank Krause von der Uni Zürich diese Rubikon-Metapher in ihre Selbstmanagementmethode ZRM (Zürcher Ressourcen Modell) ein, die vielen Experten in Sachen „Rubikonüberquerung“, wie Coaches, Trainern und Psychotherapeuten, bekannt ist.  

Kommen doch immer mehr Menschen in die Bredouille. Sie nehmen ihre Gefühle nicht wirklich differenziert wahr, so dass diese oft zu schnell bewertet werden (von andern oder von sich selbst) und zu Entscheidungen führen, die sich nicht „richtig“ anfühlen. Oder sie erleben, dass ihre Gefühle konfus sind und man sich zwar krampfhaft bemüht, das Richtige zu tun, woraus sich ebenfalls verkrampfte Gefühle entwickeln.

„Richtig oder falsch“ ist eben die Kernkompetenz des Verstandes (präfrontaler Cortex). Der Körper mit seinem Gefühlsleben entscheidet eher nach: „fühlt sich gut an“ oder „fühlt sich weniger gut an“.

Und genau da wird’s knifflig. Denn nicht immer fühlt sich richtig auch gut an, und blöder Weise fühlt sich falsch nicht immer schlecht an. Und schon hat man den Konflikt am Ufer des Rubikon, in dem die beiden Entscheidungssysteme Verstand und Körper(-gefühl) unterschiedlicher Meinung sind und wir nicht wirklich überzeugt sind, dass der Apfel eine Alternative zum Schokoriegel sein könnte, es klüger wäre, in der Bude zu hocken um zu lernen, statt im Biergarten den Tag zu genießen oder man sich besser heute als morgen von einer ungesunden Beziehung verabschieden sollte. 

In letzter Zeit lese ich immer öfter, dass Menschen, die mit Selbstdisziplin durchs Leben gehen, erfolgreicher, klüger, gesünder, glücklicher sind, dass sie sogar die besseren Beziehungen und Partnerschaften pflegen. Selbstdisziplin bedeutet, dass man bestimmte Gelüste weiß zu bremsen und erst entscheidet, wenn man das Risiko einer Entscheidung weise abgewogen hat und erst dann isst, trinkt, raucht, kauft, nascht, küsst, sext, unterschreibt, „Ja“ oder „Nein“ sagt. 

Wo bleibt denn der Spaß oder Genuss am Leben, wenn ich alles erst durchdenken soll?,

höre ich da einige. Tja, wer nach dem Motto „No risk no fun“ lebt, wird keinesfalls einen Selbsthilferatgeber kaufen, der zu mehr Disziplin auffordert. Doch bei den wirklich wichtigen Entscheidungen sollte man auf jeden Fall beide Entscheidungssysteme umfassend befragen.

Zu den wichtigen Entscheidungen gehören beispielsweise die, die viel Geld kosten, eine lange und folgenschwere Bindung nach sich ziehen, z.B. vor dem Kauf einer Immobilie, bei der Job- oder Studienwahl, vor einer Ehe oder dem Kauf eines Hundes. Ebenso sollten beide Systeme befragt werden bei Entscheidungen, welche die Gesundheit betreffen, z.B. ob regelmäßiger Alkohol- oder Zigarettengenuss eine gute Wahl ist, viel Zucker positive Auswirkungen hat oder der miese Job oder Partner dazu beiträgt, mein Leben zu bereichern.

Bei solchen schwierigen Entscheidungen überredet das eine System das andere gern mal mit Worten wie: „Das ist doch gar nicht so schlimm, wir halten durch.“ „Jura zu studieren, das wird meinen Vater erfreuen.“ „Meinen täglichen Karamel-Macciato, die Packung Zigaretten und den Schoko-Donut, das hab’ ich mir verdient!“ „Wir kaufen das Haus auf Kredit, das schaffen wir schon!“ „Ich hab’ ja nichts anders gelernt, ich muss den Job weiter machen.“ „Ich lass das mal lieber mit der Psychotherapie, – nachher ändert das was, was ich gar nicht will.“ „Ich finde den Typen so sexy – obwohl ich bereits ahne, dass er/sie mir nicht guttut.“ 

In solchen Fällen lohnt es sich sehr, mal seine inneren Systeme zu befragen:

Wer von euch beiden Bewertungssystemen in mir ist da eigentlich der Meinung, er hätte die Weisheit mit Löffeln gefressen? Ist das wirklich wahr, was ihr da grad denkt oder fühlt?

Könnte es nicht doch an ganz andern Gründen liegen, warum du vor dem Rubikon auf und ab gehst, warum dich das eine oder andere dieser beiden Bewertungs- oder Entscheidungssysteme versucht zu überreden oder bei einer bestimmten Entscheidung lieber im gewohnten Trott verharren lässt, statt neue Ufer erreichen zu wollen? Wer sich in solchen Fällen etwas schwer tut, oder wer etwas Nachhilfe bei wichtigen Entscheidungen benötigt, sollte sich vielleicht einen Experten in Sachen „Rubikonüberquerung“ suchen. Auch wenn viele dieser Rubikonexperten möglicherweise mit den gleichen Problemen vor einem Rubikon stehen wie du, sind sie darin ausgebildet, dir bei der Rubikonüberquerung zu helfen, damit du endlich das Schiff besteigst, um Ziele zu erreichen, die du lange als unerreichbar empfandest.

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