Lach doch mal!
31. März 2017
Ich liebe Dich. Jetzt!
7. April 2017
Alles zeigen

Traue keinem toten Lachs!

© fotolia © alphaspirit

Der Gehirnforscher Craig Bennett von der University of California hat 2009 im Supermarkt einen knapp zwei Kilogramm schweren Lachs gekauft. Im Labor hielt er Fotos von Menschen mit unterschiedlichen Gesichtsausdrücken vor das tote Tier. Am Fisch nahm er bei diesem absurden Versuch einen Hirnscan mittels funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT) vor. Und tatsächlich: Im Gehirn schien sich beim „Betrachten“ der Bilder etwas zu regen. In Wirklichkeit aber wollte Bennett mit seinem Experiment darauf hinweisen, dass man durch Manipulation so ziemlich jedes gewünschte Ergebnis hinbekommt. Seine Ergebnisse waren reine Zufallsprodukte, bei genauerem Hinsehen lösten sie sich in Luft auf.

Wirtschaft und Wissenschaft ziehen neuerdings Bilder aus der funktionellen Kernspintomografie heran, um herauszufinden was sich in unserem Gehirn abspielt während wir denken. Mit neurophysiologischen Verfahren wird zum Beispiel das Verhalten von Männern und Frauen beim Einparken mit dem Auto analysiert. Man untersucht von gezielter Werbung ausgelöste Schlüsselreize beim Einkauf. Es wird getestet, welche Bildareale leuchten, wenn Gläubige sich Gott zuwenden, und welche ihre Farbe verändern, wenn Menschen verzweifelte Gedanken hegen. Unternehmen wollen Denkmuster entschlüsseln, um daraus gewonnene Erkenntnisse für wirkungsvolles Marketing oder zum Entwickeln umsatzträchtiger neuer Produkte zu nutzen.

Doch kann man solchen Bildern trauen? Ich denke an besagten Lachs und rate zu zweifeln und immer die jeweilige Datenbasis zu hinterfragen.

Wer glaubt, dass bildgebende Verfahren aus der Medizin unsere komplexe Psyche wie mit einer Art Google Maps erfahrbar machen, sodass wir jederzeit bestimmen können, woher wir kommen und wo lang es geht, der wird im Leben schnell an Grenzen stoßen.

Gefährlich wird es immer dann, wenn solche Bilder zum Manipulieren statt zum Dokumentieren genutzt werden. Bei Vorträgen könnte man einen Gehirnscan auf eine Leinwand projizieren und seine Argumente oder Hypothesen damit zu untermauern versuchen. Ganz gleich, ob das dazu Vorgetragene stimmt oder nicht – die Anwesenden wären wohl geneigt, dem Referenten Glauben zu schenken. Dies veranschaulicht, wir sehr wir auf bunte Bilder stehen. Bilder, die uns in bestimmten Stimmungslagen leicht zu lenken und zu leiten vermögen und unsere Gefühle beeinflussen. Deshalb sollten wir darauf achten, wer uns welche Art Bilder präsentiert und welche Absichten man damit verfolgt.

Schon oft habe ich mir gewünscht, es käme ein Weiser oder Wissender, der mir Antworten auf alle Fragen dieser Welt gibt. Daher neige ich selbst auch dazu, Bildern zu vertrauen, die mir jemand zeigt, der scheinbar mehr weiß als ich. Mit den Jahren habe ich allerdings gelernt, dass die Weisen nicht die Wahrheit sagen, sondern nur ihre Wahrheit. Und dass ich diese nicht zu meiner Wahrheit werden lassen muss.

Bitte achten auch Sie darauf, mit welchen Bildern Sie konfrontiert werden und welchen Einfluss Ihnen angebotene Bilderwelten auf anstehende Entscheidung nehmen – ganz gleich, ob es um Kauf-, Liebes- oder Wahlentscheidungen geht. Kurz gesagt: Trauen sie keinem toten Lachs. Wer mehr über das beschriebene Experiment und die Problematik bildgebender Verfahren lesen möchte, kann dies zum Beispiel hier tun: http://prefrontal.org/files/posters/Bennett-Salmon-2009.pdf

2 Comments

  1. Susanne Rönz sagt:

    Sehr spannend! Und ich mag solche Experimente sehr, die auch mal infrage stellen und anregen, das Ganze zu überdenken und nicht einfach als gegeben hinzunehmen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wir benutzen zur Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit der Site Cookies. Durch Ihren Besuch stimmen Sie dem zu.