Kommunikation ist wie Bilder malen mit Worten

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Kommunikation ist wie Bilder malen mit Worten

© Ralf Haake

Nicht die Worte selbst machen Kommunikation authentisch und erfolgreich, lassen sie einfühlsam oder auch spröde wirken. Nein, diese Effekte werden durch das hervorgerufen, was wir mit bestimmten Worten unwillkürlich verbinden. Mit jedem Wort sind innere Bilder verkoppelt, die Emotionen bei uns auslösen. Kommunikation basiert auf Erfahrungen, die beim Zuhören solche inneren Bilder entstehen lassen, und jedes davon ist mit einem Gefühl verbunden. Gute Worte verursachen ein gutes Gefühl, ungute Worte das Gegenteil. Die Fähigkeit in ganzen Sätzen zu sprechen, beziehungsweise beim Kommunizieren in schriftlicher Form auf Grammatik, korrekten Satzbau und ordentliche Rechtschreibung zu achten, ist Ihrem scharfen Verstand zuzuschreiben. Wo aber bleibt das Gefühl?

Was macht das Wort himmlisch mit Ihnen? Entsteht ein gutes Gefühl? Sendet Ihr Körper einen positiven Reiz, der klein sein mag, aber doch deutlich spürbar ist? Wahrscheinlich ja. Noch ein Versuch, diesmal mit dem Wort Trump: Was macht dieser Begriff mit Ihnen, gibt auch er ein Signal? Gleich viel positiver klingen bestimmt Lob, Teddy, Umarmung, oder Sonnenaufgang. Was Sie jetzt spüren, fühlt sich besser an, oder nicht?

Jedes Wort hat eine Bedeutung für Sie. Diese Bedeutung hängt mit Erfahrungen zusammen, die Sie irgendwann einmal gemacht und die sich tief eingeprägt haben. Mit bestimmten Worten sind persönliche Geschichten verbunden – wenn Sie sie hören, entsteht eine innere Stimmungslandschaft. Selbst wenn ich Ihnen frei erfundene Worte wie zum Beispiel Takete oder Maluma nennen würde, könnten Sie diesen Worten Gegenstände zuordnen. Wenn ich Ihnen einen Tintenklecks mit spitzen Zacken sowie einen weiteren Klecks mit Rundungen zeige und Sie dazu auffordere, diese den genannten Worten zuzuordnen, wird die Entscheidung ziemlich deutlich ausfallen: Sie werden den zackigen Klecks mit Takete in Verbindung bringen, den rundlichen Klecks mit Maluma.

Willkommen im Club! Viele Studien haben die Wahrscheinlichkeit genau dieser Zuschreibung bereits belegt (Wolfgang Köhler, 1929; Vilayanur S. Ramachandran und Edward M. Hubbard, 2001). Demzufolge haben mehr als 90 Prozent der Menschen die gleiche Vorstellung von einem Gegenstand, der Maluma heißt – obwohl es sich dabei nur um ein Fantasiewort handelt. Unsere Interpretation von Gehörtem oder Gelesenem hängt eng mit in unserem Gehirn abgespeicherten Bildern und Geschichten zusammen. Von Fall zu Fall greift das Gehirn auf dieses Geflecht aus Erfahrungen zurück.

Wenn Menschen mit Worten wie Change-Prozess, Umstrukturierung oder Verschlankung konfrontiert werden, geraten sie dabei in höchst unterschiedliche individuelle Stimmungslagen. Wer bereits schlechte Erfahrungen als Betroffener mit ihnen gemacht hat und wieder Nachteile für sich befürchtet, empfindet dabei etwas völlig anderes als jemand, der entsprechende Maßnahmen umsetzt, so sein Geld verdient und Erfolgserlebnisse damit verbindet. Kein Wunder also, dass der Dialog zwischen den Genannten in Anbetracht ihrer konträren Stimmungslagen kaum einvernehmlich geführt werden kann.

Wenn Sie selbst in Zukunft in wichtigen Angelegenheiten kommunizieren, dann achten Sie darauf, welche Worte man an Sie richtet und was für Gefühle diese auslösen. Ihr Verstand allein ist damit überfordert, aber Ihr Unterbewusstsein wird die mit Worten gemalten Stimmungsbilder bestimmt richtig deuten.

2 Comments

  1. Susanne R. sagt:

    Eine Frage: Wenn die Stimmungsbilder von meinen eigenen Erfahrungen geprägt sind, wie kann ich dann die Kommunikation mittels Unterbewusstsein richtig deuten? Gerade das Unterbewusstsein vermittelt mir doch vielleicht etwas anders als mein Gegenüber eigentlich meint!?!

  2. Ralf Haake sagt:

    Gute Frage liebe Susanne,
    hier ein Link zu einer Methode die vielleicht schon etwas informiert: http://www.ralfhaake.de/embodied_reframing/
    Nun noch etwas zum Lesen, das hoffentlich erhellt.
    Meist funktioniert der Dialog mit anderen ja recht gut. Falls nicht…hier eine Erklärung + 1-2 Tipps:
    Im Leben machen wir Erfahrungen. Diese Erfahrungen werden mit den Sinnen aufgenommen, diese wiederum werden als Erfahrungsbilder abgespeichert. Diese Erfahrungsbilder werden etikettiert mit „gut für mich“ oder „schlecht für mich“, also mit einem sogenannten Deutungsrahmen ummantelt, der eine Erfahrung mit Gefühlen und somatischen Markern (Körpersignalen) verbindet. Der Großteil davon findet unbewusst statt.

    Wenn sich nun zwei Menschen gegenüber stehen und miteinander reden, greift jeder zurück auf die jeweiligen Erfahrungsbilder inkl. Deutungsrahmen.
    Falls eine Kommunikation aus dem Lot gerät, liegt es meist daran, dass zwischen den Deutungsrahmen Unterschiede existieren, da beim Abspeichern der Erfahrungsbilder unterschiedliche Etikettierungen bzw. Deutungsrahmen vorgenommen wurde.

    Die Kunst in der Kommunikation ist, sich auf die Deutungsrahmen des anderen einzulassen und gleichzeitig seine eigenen äussern zu dürfen. Schön wäre, wenn beide Personen sich von den Bildern und den Umständen der Entwicklung der Deutungsrahmen erzählen und dem andern offen zuhören, wenn er von seinen Bildern berichtet. Wenn dies beiderseits möglich ist, können beide ihre inneren Bilder neu rahmen. Es gibt die Möglichkeiten dies im Rahmen eines Zwiegesprächs zu tun. Oder man nutzt einen Visualisierer, der beauftragt wird die Bilder beider Personen zu malen, damit darüber ein gemeinsamer Dialog entsteht. Dies fördert die Empathie und schafft Synchronizität. Ganz nach dem Motto des Autors Michael Lukas Möller: „Die Wahrheit beginnt zu Zweit.“

    Eine weitere Möglichkeit ist, ähnlich wie in einem ZRM-Grundkurs, Bilder auszulegen, sich davon ansprechen zu lassen und anschließend Hypothesen zu bilden, warum einem dieses Bild so berührt. Auch darüber kann Empathie für den anderen entstehen und es kann an neuen, inneren Bildern mit neuen Deutungsrahmen gearbeitet werden. Auch Aufstellungsarbeit arbeitet mit inneren Bildern, nur dass Figuren oder Stellvertretern im Raum aufgestellt werden, damit der Deutungsrahmen ursprünglich gemachter Erfahrungen sichtbar wird und sich bei Bedarf ändern lässt.
    Viele Grüße, Ralf.

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