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Ich liebe Dich. Jetzt!

© fotolia

Ich nenne Ihnen mal drei Worte, die mir im schönsten für sie denkbaren Zusammenhang viele Jahre lang alles andere als leicht über die Lippen gekommen sind: Ich. Liebe. Dich. Immer wenn mein Herz übervoll von unbeschreiblich schönen Gefühlen für eine Angebetete war, wollte dieser kurze aber möglicherweise folgenschwere Satz aus mir heraus. Also, eigentlich wollte er das. Immer wieder bremsten dann aber kritische Gedanken meine Euphorie, und Zweifel wurden wach: Würde das Gesagte tags darauf wohl auch noch gelten? Und ginge ich nicht eine Verpflichtung ein, wenn ich diese Worte mir nichts, dir nichts einfach so ausspräche?

Oftmals hätte ich deshalb gerne ein viertes Wort ergänzt, das die Sache wesentlich leichter macht: ein Jetzt. Ich liebe Dich jetzt! Dies bringt unmissverständlich zum Ausdruck, dass ich für mein Gegenüber gegenwärtig und ganz besonders in diesem einen speziellen Moment sehr viel empfinde. Was genau ich dabei spüre, wie es sich wirklich anfühlt, warum sie, diese eine und keine andere Adressatin, und warum jetzt – das alles bleibt Nebensache, denn mit besagten drei Worten plus jenem einen ist alles auf den Punkt gebracht. Das Jetzt macht deutlich, um welchen Zeitpunkt es geht.

Es ist nicht von gestern die Rede und auch nicht von morgen. Nein, ich liebe jetzt! Man sagt doch auch: Lebe im Hier und Jetzt!

Damit wird auch klar: Versprechen kann ich noch nichts, und ich lege auch nicht die Hand dafür ins Feuer, dass das Hochgefühl auf Dauer anhält. Es geht um die Halbwertszeit von Emotionen: Sollte sich mein Gegenüber nicht adäquat verhalten, könnte die Liebe rasch erlöschen. Dann gälte: Gerade habe ich dich zwar noch geliebt, aber jetzt ist es anders. Passieren könnte derlei, wenn meine Geliebte mich schnöde nach dem Warum fragt. Wenn sie an meinen Worten zweifelt. Oder wenn auf mein Bekenntnis eine Forderung ihrerseits folgt: „Wenn Du mich wirklich liebst, dann …“.

Wenn ich in die Stimmung gerate, „Ich liebe Dich“ zu sagen, ist das auf Signale meines Körpers zurückzuführen, über deren Ursachen ich nicht umfassend Bescheid weiß. Gefühle kommen und gehen, kennen wir das nicht alle? Während meines bisherigen Lebens habe ich zwei Frauen einen Heiratsantrag gemacht, aber noch nie ist es anschließend zur Hochzeit gekommen. Mir scheint, ich bin anfällig dafür, Versprechen abzugeben, obwohl ich mir über meine Gefühle nicht hundertprozentig im Klaren bin. Wenn ich als Folge der Fehlinterpretation meiner Gefühle anderer Menschen in der Vergangenheit verletzt habe, tut mir das sehr leid – die Betreffenden bitte ich um Entschuldigung. Mich jedenfalls hat es inzwischen vorsichtig werden lassen. Womöglich sollte man jenes als Liebe bezeichnete Gefühl gar nicht in drei Worte fassen, zumindest aber muss man damit sehr vorsichtig umgehen. Im Laufe der Jahre ist mir bewusst geworden, dass ich zwar meinen Gefühlen trauen kann, nicht aber der Art und Weise wie ich sie interpretiere und sie zu vermitteln versuche.

Gar keine Frage – wer bei sich Signale der Liebe spürt, sollte mit ihnen nicht hinter dem Berg halten. Der Klassiker „Ich liebe Dich“ birgt die Gefahr von Risiken und Nebenwirkungen – bei mir war das jedenfalls so. Wenn man wortgewandt genug ist, sollte man seine Gefühlslandschaft deshalb möglichst ausführlich beschreiben. Das ist sehr zu empfehlen, aber keine leichte Übung. Gefühle dem Gegenüber wirklich treffend darzulegen ist nämlich so kompliziert, wie Blinden blühende Blumenwiesen vor ihr geistiges Auge zu bringen. Man kann das aber trainieren. Um bis zum Erreichen des Fortgeschrittenen-Stadiums Missgeschicke zu vermeiden, bleibt die Variante mit dem Jetzt. Sicher ist so viel: Um tiefe Gefühle auszudrücken, bedarf es mehr als nur dreier Worte. Ich für meinen Teil werde weiterhin daran arbeiten Gefühle wahrzunehmen, sowohl im Hier und Jetzt zu sein, als auch die Vergangenheit und die Zukunft in meine Entscheidungen mit einzubeziehen. Und manchmal werde ich einfach sagen: „Ich liebe Dich.“

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