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Geht’s noch?

© Ralf Haake

Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, doch wer grad das Weltgeschehen beobachtet, wird nicht umhin kommen, irgendwie das Gefühl zu haben, dass da was nicht ganz rund läuft. Extreme Politiker, extrem Gewaltbereite, extreme Menschen im Showbusiness, extrem verschobenes Unrechtsempfinden, extreme Polarisierungen.

Selbstreflektierend, wie ich gern mal bin, muss ich da fragen: Und wie sieht’s mit meinen extremen Eigenarten aus? Und haben Sie sich schon mal gefragt wie es mit Ihren Extremen ist?

Glauben Sie, dass wir normal sind? Vielleicht gehören wir aus der Sicht manch anderer Normalen ebenfalls zu den Unnormalen, nur dass wir nicht so extrem in unserem Unnormalsein sind. Doch wer weiß, vielleicht sind Sie viel unnormaler und extremer, als ich dachte?

Emphatisch mit vielen menschlichen Abgründen und vielen verschiedenen Personen zu sein, ist mir blöderweise möglich. Immerhin beschäftige ich mich seit einigen Jahren mit der Psyche des Menschen. Doch Einfühlsamkeit  und Emphatie müssen Grenzen haben dürfen, oder nicht?

Ich kann manche Entscheidungen und manches Verhalten bestimmter Politiker, Unternehmensführer, Religionsführer oder auch mancher Medienleute nicht mehr verstehen. Ich kann allerdings auch manchmal das Verhalten meines Nachbarn nicht verstehen, doch das hat keine Folgen für Millionen von Menschen, die Natur, das Fortbestehen der Erde als solcher.

Und mit verstehen meine ich nicht hören, denn diese Personen zu überhören ist kaum möglich, da sie lauthals alle Kanäle nutzen, um ihre Meinungen zu sagen oder Verhalten zu zeigen.

Es muss doch wohl noch möglich sein, jemanden als „Arschloch“ zu betiteln, der auch wirklich eins ist?

Tja, und schon bin ich selbst in die Falle der Meinungsmache getappt. Denn manch einer ist ganz anderer Meinung, immerhin gibt es genug Menschen, die solche extremen Typen wählen. Andere werden gefeiert, sie erhalten Beifall, Geld und jede Menge Likes für ihr seltsames Verhalten. Wenn jetzt so jemand wie ich dazu eine kritische Meinung abgibt, gehöre ich dann auch zu den Gesellschafts-Spaltern?

Falls ich einen von einer Mehrheit gewählten oder gehypten Typen ätzend finde und dies öffentlich kund tue, bin ich dann gemein und stelle ich mich über ihn? Mache ich mich dann sichtbar als zu der „anderen Seite“ gehörend? Welche „andere Seite“ ist dann gemeint?

Wie gefährlich wird es, wenn man mich zu einer bestimmten Gruppe zählt? Wäre es okay, zu sagen: „Mein lieber Herr Trump, Sie und Ihresgleichen bevorzugen es, der Wirtschaft, dem Klimaschutz den Vorzug zu geben. Dann werden wir -die Eurozone und im speziellen wir Deutsche – uns wohl dafür entscheiden, noch etwas weniger bei Ihnen einzukaufen, um auf andere Weise das Klima zu schützen. Damit werden Sie sich wohl genötigt sehen, weniger deutsche Autos zu kaufen, doch im Sinne des Umweltschutzes bei der aktuellen Dieselaffäre, ist das vielleicht sogar eine gute Idee.“

Ist solch eine Meinung schon polarisierend oder polemisch? Bin ich dann so viel anders als „Die“? Wie gefährlich war es vor 70 – 80 Jahren seine Meinung zu sagen? Warum wurde „den anderen“ nicht mehr Gehör geschenkt? Sondern denen mehr Macht übertragen, die lauter waren, die immer mehr Macht erhielten, bis man sie ihnen nicht mehr entziehen konnte?

Ich frage mich bei all den seltsamen Entscheidungen, die in der Politik, der Wirtschaft und den Medien getroffen werden, wessen Schrauben lockerer sind, meine oder deren? Ist die ganze Welt zu einer Reality-Show geworden, in der diejenigen am meisten profitieren, die die größte Aufmerksamkeit auf sich ziehen?

Bei all den Auseinandersetzungen mit der menschlichen Psyche, mit Gefühlen, dem Verstand, dem Gehirn, bleibt mir doch immer wieder der Mund offen stehen und ich denke mir: „Geht’s noch?“ Erstaunlich, dass viele von diesen seltsamen Dingen auf dieser Welt von intelligenten Menschen angezettelt werden. Daran erkennt man, dass Intelligenz nicht vor Extremismus schützt.

Ich für meinen Teil, erfreue mich grad sehr an Menschen, die sich ebenfalls Gedanken über ihr Sein machen und sich selbst in Frage stellen. Mir scheinen solche Menschen irgendwie ungefährlicher, – doch ich kann verstehen, dass „wir“ für die anderen eine wirklich große Gefahr darstellen: Die Selbstreflektierten sind extrem gefährliche Typen  – allerdings sind wir nicht so laut. Doch wer weiß, wie lange noch.

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