Eine Hochzeit schafft Gesprächsstoff

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Eine Hochzeit schafft Gesprächsstoff

© fotolia © Stefan_Weis

Als meine Freundin die Karte für ein befreundetes Pärchen zur Hochzeit schrieb, fragte Sie mich, was ich denn wohl schreiben würde. Meine etwas schelmisch Antwort: „Toi toi toi!“ und „Na dann, viel Spaß!“

Sie lachte und das stimmte mich entspannt. Hatte ich doch nie das Gefühl, dass sie auf einen Heiratsantrag meinerseits großen Wert gelegt hätte und dies wohl immer noch so ist. Wenn in der Vergangenheit mal das Thema zur Sprache kam, sagte sie: „Ich würde heiraten, wenn dadurch das Leben eines Menschen, beispielsweise eines Flüchtlings, gerettet werden könnte, – den würde ich dann heiraten. An sonsten lehne ich es ab, für den Staat eine Bindung einzugehen, die ihn nichts angeht.“ 

Ich muss gestehen, dass ich selbst schon mal auf die Idee gekommen bin zu heiraten. Ja, zwei ernst gemeinte Anträge kamen schon über meine Lippen, wurden sogar mit „Ja“ beantwortet. Doch hatte ich den Eindruck, dass ab diesem Zeitpunkt die Beziehung den Bach runterging und ich schnellstmöglich einen Ausweg suchte, dieses Heiratsangebot wieder aufzulösen.

Es gibt sicher viele Thesen, die es erklären, warum man heiratet oder warum ein Mann (oder auch eine Frau) kurz vor der Hochzeit doch noch die Flucht ergreift und warum eine Hochzeit angenehmer zu planen ist, als die daran folgende Ehe zu vollziehen. (Das Wort „Vollzug“ im Zusammenhang mit dem Wort „Ehe“ lässt mich schmunzeln.)

Zurück zu Thesen, die für eine Hochzeit sprächen:

In dem Film: „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ stellt bei einer der vier Hochzeiten ein Freund eine gewagte These in den Raum: „Wenn dem Paar der Gesprächsstoff ausgeht, bekommt man Panik und eine Lösung muss her – die Hochzeit. Und schon hat man Unmengen an Gesprächsstoff.“

Ich glaube, dass der Film zu einem meiner Lieblingsfilme gehört, genau auf Grund dieser Filmszene. Hochzeiten ermöglichen es, sich einem irrsinnigen Brimborium hinzugeben. Die Vorbereitung erfordert monatelanges Beschäftigen mit der Durchführung eines einzigen Events, von dem man sein ganzes Leben zehren will oder soll. (Immerhin gehen die meisten davon aus, dass es ein einmaliges Erlebnis ist.)

Viele Paare lassen sich auf Brautmessen oder durch Hochzeitsberater das Geld aus der Tasche ziehen, – manches Paar leiht sich dafür sogar Geld oder nimmt einen Kredit auf. Ich habe lange drüber nachgedacht, doch ich kann ganz klar sagen, dass für mich das Verschulden für eine Hochzeit nicht in Frage käme. Wohl gemerkt ist das meine Einstellung. All denjenigen, die sich verschuldet haben oder es noch vorhaben, sei es gegönnt, – sie haben es sicher gut überlegt und empfinden das als vernünftige Investition in die Zukunft!! Wer mit einigen Monaten oder Jahren Abstand zur Hochzeit das (geliehene) Geld lieber für etwas Anderes ausgegeben hätte, ist lediglich um etwas Geld ärmer dafür um eine eindrucksvolle Erfahrung reicher.

Durch dieses großartige Hochzeitsevent hat man sich selbst die Möglichkeit geschaffen, sich an Hand der Fotos, Filme, Geschenke, Ringe, Accessoires in Zukunft immer wieder an diesen Liebesschwur zu erinnern. (Wer sich mit Priming auskennt, weiß wozu diese Erinnerungshilfen dienen!)

Eine Steigerung der eingangs erwähnten Film-These wäre, dass im Anschluss an diese Hochzeit nach geraumer Zeit erneut die Sprachlosigkeit eintritt. Und schwupps hat man einen guten Grund, sich für das erste Kind zu entscheiden. Wieder hat man sehr viel Möglichkeiten, sich über etwas zu unterhalten, zu planen, sich vorzubereiten. Wenn es mit dem Kinderkriegen klappen sollte, dann hat man Gesprächsstoff bis ans Lebensende und wer mehr Gesprächsstoff braucht, bemüht sich um weiteren Familienzuwachs.

Manch einer der diesen Blog liest, wird vielleicht über meine Gedanken geteilter Meinung sein, – gut so, ist mit eingeplant, wozu sollte ich wohl sonst einen solchen Blog schreiben. 

Ich weiß, ich war nie so mutig, mich der Ehe zu stellen und das Kinderkriegen (eine Tochter), entsprang spontaner Lust und Leidenschaft, – von Plan keine Rede.

In den letzten Jahren war ich zunehmend risikobereiter, mich meiner heutigen Partnerin zuzumuten, womit ich manchem Ehepaar wiederum eine Nasenlänge voraus bin.

Manchmal frage ich Paare, ob sie miteinander reden. Meist schauen sie mich entrüstet an und sagen: „Selbstverständlich reden wir miteinander!“ Doch worum geht es in den Gesprächen? Und wie werden sie geführt? Wird in diesen Gesprächen wirklich über das gesprochen, was sie grad bewegt? Oder eher über Oberflächliches, aktuelle Tagesthemen, über andere Personen, über den Job, Familienmitglieder, den nächsten Urlaub, das Wetter? Oder lässt man seine/n Partner/in an all den kleinen und großen wirren Gedanken, Bedürfnisse, Sehnsüchte, Irritationen, Leidenschaften bis hin zu dunklen Seiten teilhaben, und hört ebenso urteilsfrei zu, wenn er oder sie von oft ambivalenten Gefühlen spricht? Traut man sich all das, oder zumindest einen Teil von dem  Preis zu geben, was hinter der Maske steckt, die man ungern lüftet?

Solche Gespräche erfordern Mut! Für mich bedeutete das, dass ich mutiger sein musste, als zu fragen ob man mich heiraten will. Denn mich einer anderen Person in vollem Umfang zuzumuten, inkl. einiger dunklen Seiten, dafür brauchte ich einige Anläufe und habe darüber einige Beziehungen verschlissen.

Doch wer weiß, vielleicht eignet sich der Bund der Ehe dazu, weniger schnell auszubrechen und man findet früher oder später die Möglichkeit, mehr von sich Preis zu geben, wie es Michael Lukas Moeller in seinem Buch: ‚Die Wahrheit beginnt zu zweit ‘ – so treffend beschreibt.

Um den Bund der Ehe einzugehen, bevorzuge ich daher lieber den Begriff der Trauung, statt den der Hochzeit. Meiner Meinung nach bedeutet dies: „Ich traue mich Dir gegenüber, mich zuzumuten! Und wünsche mir, dass auch Du Dich traust, Dich mir zuzumuten.“

In diesem Sinne: Toi toi toi und viel Spaß – bei der Zumutung, (sich) zu heiraten.

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