„Vertrieb hat nix mit Persönlichkeit zu tun!“…oder doch??
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Ich fühle, also bin ich!
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Menschen verfügen über die Fähigkeit, sich in andere Personen einzufühlen. Und zwar so sehr, dass sie deren Charakterzüge nachempfinden und auf diese Weise fremde Wesenszüge für sich selbst nutzen können. Als ich sechs Jahre alt war, wählten meine Spielkameraden und ich im Karneval immer zwischen Indianer- und Cowboykostümen. Dabei ging es im Grunde nicht um die Entscheidung für das schönere Outfit. Entscheidend war: Wer wollten wir sein? Beim Beantworten dieser Frage spielten von uns Kindern mit Spannung verfolgte Abenteuer von Indianern und Cowboys in Wildwestfilmen oder -serien eine wichtige Rolle. War es Winnetou, den wir verkörpern wollten, oder doch eher Old Shatterhand? Ein Held sollte es auf jeden Fall sein, doch wer von den beiden war heldenhafter?

Die Eigenschaften oder das Verhalten Anderer beschreiben wir gerne mit Metaphern aus der Tierwelt: Da gibt es den wilden Hirsch und das dumme Huhn, den eitlen Pfau und den schlauen Fuchs, die weise Eule und auch das Trampeltier. Wenn ich es will, kann ich mich wie ein Affe aufführen, mich aufplustern wie ein Gockel oder mich kleinmachen wie eine Maus.

Dank unseres Einfühlungsvermögens und unserer Fantasie sind wir Menschen sogar dazu in der Lage, uns in Gott hineinzuversetzen. Der bekannte amerikanische Autor Neale Donald Walsch beschreibt in seinen Büchern „Gespräche mit Gott“ eben diesen von ihm gepflegten Austausch derart authentisch und lebendig, dass ich die beiden während des Lesens zu belauschen wähnte. Ob Ihr es glaubt oder nicht: Seither führe auch ich bisweilen einen Dialog mit Gott, und das geschieht folgendermaßen: Ich sitze am Computer und überlege mir eine Frage an ihn. Oder ich denke darüber nach, was ich ihm aus meinem Leben berichten möchte. Dann warte ich einen Augenblick und beginne aufzuschreiben, was mir in den Sinn kommt – geprägt vom Glauben daran und dem Vertrauen darauf, dass Gott mir jene Worte eingeben wird, die ich anschließend zu lesen bekomme. Verrückt? Nein. Ich würde sagen, es ist eine Mischung aus Fantasie, Empathie und Offenheit für Lösungen. Eine Mischung, die zwar von mir selbst kommt, aber irgendwie auch von jemand anderem, dessen Wissen, Werte und Meinung ich mir zunutze mache. Und die mir hilft, Antworten auf verschiedenste Fragen zu erhalten.

Was ich damit sagen will? Sobald wir uns in etwas oder in jemanden hineinversetzen, sind wir in der Lage, diesen Gemütszustand zu nutzen. Als ich einst vor der Entscheidung stand, ob ich einen Gesellschaftsvertrag unterzeichnen sollte oder nicht, habe ich mich gefragt, wer mir als Ratgeber zur Seite stehen könnte. Ich wusste: Mein Onkel Albert wäre ein weiser Ratgeber. Also habe ich mich in ihn hineinversetzt und prompt eine Antwort erhalten. Leider nicht die gewünschte, er riet mir ab. Ich hatte gehofft, dass er sagen würde: „Ja Junge, mach‘ es mal, das ist eine gute Entscheidung“. Ich war enttäuscht, deshalb rief ich ihn an – ganz direkt, ganz ohne „Einfühlung“. Und weil ich sichergehen wollte, dass er zustimmt, bereitete ich mich gut auf das Telefonat vor und malte ihm die vermeintlichen Vorzüge des Vertrages in den schönsten Farben aus – warum ich ihn für gut hielt und welchen Profit ich daraus schlagen wollte. Dennoch blieb seine Antwort zunächst ein klares Nein – genau das, was ich nicht hören wollte. Weil ich aber hartnäckig blieb, ließ er sich dann doch erweichen. Allerdings mit einer klaren Warnung: Wenn ich schon unterzeichnen müsse, solle ich den Vertrag zuvor wenigstens bis ins letzte Detail prüfen lassen. Gesagt, getan. Aber ich schlug die Warnung eines versierten Juristen in den Wind und unterschrieb diesen blöden Vertrag. Fünf Jahre später erwies sich, dass Onkel Albert von vornherein recht gehabt hatte.

Ich glaube, die meisten Menschen verfügen über die Fähigkeit, sich in jemanden oder in etwas hineinzuversetzen. Und wenn man einen klugen Menschen als Berater hinzuzieht und dessen Ratschlag nicht befolgt, dann sollte man genau hinterfragen, welche Motive einen dabei leiten – ganz gleich, ob es sich dabei um einen bezahlten Coach oder um eine innere Stimme handelt. Was die Wahl meiner Karnevalskostüme als Kind angeht, war das seinerzeit letztlich noch egal – ich ging eben mal als Indianer und mal als Cowboy. Später aber, als Erwachsener, habe ich immer wieder sehr gut daran getan weise Ratschläge geflissentlich zu befolgen.

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