Automatismen können echt nerven

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© Miguel Fernandez, Lappan Verlag

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Mit Automatismen meine ich all die kleinen Verhaltensmuster, die wir Tag ein Tag aus vollführen, ohne dass wir darüber nachdenken.

Sorry für das Foto, liebe Damen. Es ist vor allem für Männer gedacht. Denn woher sollten Sie als Frau wissen, was in einem Urinal aufgeklebt wird, damit Männer wissen, wohin sie zielen sollen? 😉

Wenn Ihr Wecker klingelt, dann stehen Sie auf. Dann gehen Sie ins Bad, dann putzen Sie sich die Zähne, dann gehen Sie duschen, machen dies und das, ohne drüber nachzudenken. Danach gehen Sie in die Küche, machen sich Ihren Kaffee, Ihr Müsli, ein Butterbrot, Ihren Smoothy oder nichts, weil Ihr Wecker-Aufsteh-Automatismus anders lautet, nämlich: Wenn der Wecker klingelt, drücke ich auf die Schlummertaste. 

Diese Gewohnheiten werden von Gehirnarealen gesteuert, die auf ganz einfache Weise verkoppelt sind und den Großteil unseres ansonsten viel zu komplizierten Lebens regulieren. Diese einfachen Verkopplungen nennt man „Wenn-dann-Pläne“ oder, wie ich sie lieber nenne, Wenn-dann-Automatismen, denn selten sind es Pläne, sondern viel häufiger automatisch ablaufende Aktivitäten, die wir nicht als Plan empfinden. 

Von Kindesbeinen an hat sich eine Unmenge an Wenn-dann-Automatismen gebildet. Hier ein einfaches Beispiel: Wenn mein Magen grummelt, dann schreie ich. Führt dieses Schreien dazu, dass meine Mutter mich auf den Arm nimmt und sich darum bemüht, mein Magengrummeln auszugleichen – super! Dann ist dieser Wenn-dann-Automatismus als hilfreich abgespeichert. Wenn-dann-Automatismen werden auf Grund ihrer Einfachheit sehr schnell auf unserer neuronalen Festplatte in unserem Gehirn eingebrannt. Ganz besonders in den ersten Lebensjahren werden unvorstellbar große Mengen an Wenn-dann-Automatismen abgespeichert. Sie dienen als frühkindliche Selbststeuerungsmuster, die sich schwer ändern lassen, was wiederum zu manchmal unverständlichen und unlogischen Handlungen führt, – auch wenn wir schon lange keine Kinder mehr sind.

Im Lauf des Lebens kommen immer wieder neue Wenn-dann-Automatismen hinzu, die unsere Leben steuern, ohne dass wir darüber nachdenken. Die Verkäuferin aus der Wurstabteilung reichte Ihnen, als Sie noch klein waren, ein Stück Fleischwurst: „Und was sagte man da?“ – „Danke!“. Allein der Gedanke, den sie grad als Film vor ihrem inneren Auge hatten, ist ein Wenn-dann-Automatismus. 

Falls Sie schon früher kein Fleisch aßen, – vielleicht fahren Sie heute ein Auto? Denken Sie etwa darüber nach, ob Sie sich anschnallen, wie der Schlüssel hineingesteckt wird, oder wie das mit dem Blinker funktioniert? Nein. Denn das alles sind Wenn-dann-Automatismen. Diese Wenn-dann-Automatismen laufen unbewusst ab und sind rasant schnell. Bevor Sie lange drüber nachdenken, ist ein Wenn-dann-Automatismus schon längst mit Ihnen durchgebrannt.

Knifflig wird’s, wenn Sie einen sehr stabilen Wenn-dann-Automatismus wieder loswerden wollen. So einen, wie zum Beispiel den Wenn-dann-Zigaretten-rauchen-Automatismus: „Wenn ich morgens meinen Kaffee trinke, dann rauche ich eine Zigarette.“ Oder den Glas-Bier-und-Fernseh-wenn-dann-Automatismus: „Wenn ich abends nach Hause komme, dann setze ich mich vor den Fernseher. Wenn ich vor dem Fernseher sitze, dann trinke ich ein Glas Bier.“ Oder „Wenn mein Chef mir eine Aufgabe übergibt, dann sage ich „Ja“ (auch wenn ich noch so viel auf dem Tisch liegen habe). „Wenn ich Feierabend habe, dann fahre ich nach Hause.“ (Anstatt:“…dann fahre ich zum Fitness“) „Wenn ich Verantwortung übernehmen sollte, dann mache ich mich lieber zum Opfer.“ „Wenn ich zuhören sollte, dann gebe ich unaufgefordert einen Ratschlag.“ „Wenn meine Umwelt etwas von mir verlangt, dann schalte ich auf stur.“ 

Überlegen Sie sich jetzt mal drei Wenn-dann-Automatismen, die Ihnen gefallen. Und nur einen, der Ihnen nicht gefällt, den Sie allerdings gern ändern möchten. Jetzt schreiben Sie diesen ungewünschten Wenn-dann-Automatismus auf. Beachten Sie dabei, dass er kurz und knapp formuliert sein sollte und Sie ihn als inneren Film vor sich sehen. Jetzt identifizieren Sie das Wenn-Signal, an dem der ungewünschte Dann-Automatismus übernimmt. Nun ändern Sie den Wenn-Teil. Beginnen Sie dazu Ihren Wenn-Satz mit der Signalbeschreibung. Zum Beispiel: „Wenn sich im Büro mein Magen zusammen zieht, …“ 

Nun ändern Sie den Satzteil, der Ihr zukünftiges Verhalten beschreiben soll, also den Dann-Teil: „,…dann atme ich tief ein und langsam aus!“ 

Haben Sie einen neuen Wenn-dann-Plan, den Sie in Zukunft statt des ungewünschten aktivieren wollen? Dann schreiben Sie diesen Wenn-dann-Plan handschriftlich und drei Mal hintereinander auf einen Zettel. Fertig! 

Wichtig ist, dass Sie die innere Hürde als Wenn-Teil identifizieren und daran den Dann-Teil ankoppeln, sonst wird’s nur positives Denken und positives Denken hilft nicht bei Wenn-dann-Automatismen.

Wichtig für den Einstieg ist, dass Sie das Dann-Verhalten selbst steuern können.

Versuchen Sie’s mal – und nehmen Sie (erstmal) eine kleine Herausforderung für den Anfang.

Sind Sie skeptisch? War ich auch! Doch lesen Sie mal, was Frau Prof. Gabriele Oettingen dazu geschrieben hat: Artikel 

Übrigens ist der Wenn-dann-Automatismus: „Wenn sich mir das Glück naht, dann haue ich ab.“ das Ergebnis von mehreren miteinander verwobenen Wenn-dann-Automatismen und lässt sich nicht mit einem einzigen, neuen Wenn-dann-Plan ändern. Dazu sollten Sie sich lieber einen Profi holen, der mit Ihnen gemeinsam das Gewirr ungewünschter Wenn-dann-Automatismen auflöst.

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1 Comment

  1. Susanne R. sagt:

    Schön gesprochen! War sehr praktisch, da ich grad keine Zeit/Muse zum Lesen hatte 🙂

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