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Angst zu verlieren

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Ein Blog, gerichtet an Führungskräfte in international und national tätigen Unternehmen.

Die Angst, dass uns unser Wohlstand weggenommen werden könnte, führt teilweise zu bemerkenswerten Reaktionen. Wenn man vergleichend weltweit schaut, ist solch Verlust-Angst bei uns Menschen in der sogenannten westlichen Welt merkwürdig ausgeprägt. Sie führt zu Reaktionen, die diesen befürchteten, quasi erwarteten Verlust beschleunigen. Ist es notwenig, hier darüber zu bloggen? Meine Antwort: „Ja!“ In der Hoffnung, dass in Unternehmen darüber gesprochen und von Seiten der Führung gezielt informiert wird.

Nun, beispielsweise, weil eben diese Angst dazu führen kann, dass Menschen sich lieber Parteien anschließen, die dazu aufrufen, sich abzuschotten – für viele Führungskräfte und Mitarbeiter hätte dies fatale Folgen.

Weil man glaubt, man könne den Reichtum, also den gewohnt gewordenen Wohlstand für sich behalten, wenn man Grenzen wieder hochzieht oder schließt oder andere Schranken wieder einführt. Dabei seine politische Meinung lieber schädigenden Emotionen überlässt, statt mehr Hirnverstand einzusetzen. Denn langfristig wird es nicht die klügere Entscheidung sein, den Nationalismus zu glorifizieren. Für unseren Wohlstand ist es sogar besonders unklug eine nationalistisch ausgerichtete Partei zu wählen.

Es gibt schon wieder zu viele dickfellige Menschen, die lieber nichts tun, die sich abkapselnd zurückziehen, entspannt genüsslich in ihrer Komfortzone verharren, Abstand zum Weltgeschehen halten und glauben, dass das alles an ihnen vorüberzieht.

Es wird vorüberziehen, das zeigt die Zeitgeschichte. Doch inwieweit hat Mensch daraus gelernt? Die Zeit, in der wir Kontakt zu Fremden aufnehmen und Bindungen eingehen, hat dazu beigetragen, unseren Wohlstand zu mehren; Nationalismus hat ihn zerstört.

Angst als Rohstoff der Manipulation

Viele Politiker, die nationalistische Interessen verfolgen, nutzen sehr geschickt diese oft unbewusste Angst der Wähler. Schon zu viele Wähler lassen sich vorgaukeln, dass es gefährlich sei, mit anderen Nationen enger zu kooperieren, Mauern weiter einzureißen, Bündnisse einzugehen oder aufrecht zu erhalten.

Manche Wähler vergessen scheinbar, dass kaum ein anderes Land wie das unsere so sehr davon profitiert, dass unser Kontakt zu anderen Ländern auf guten Gefühlen basiert, auf Austausch, Dialog und fruchtbaren Wirtschaftsbeziehungen. Wir sind nicht China, das für sich genommen fast doppelt so viel Menschen beheimatet wie wir zusammen in ganz Europa. Und auch dieses Land lebt vom Handel. Wir brauchen die Menschen anderer Nationen, um mit ihnen Geschäfte zu machen. Und diejenigen, die in diesem Land Brot verkaufen, Schuhe reparieren, Zahnersatz erstellen, werden unter anderem von Kunden bezahlt, die ihr Geld auf Umwegen aus dem Ausland erhalten. Gleichzeitig nutzen diese Firmen häufig Rohstoffe, die nicht in Deutschland produziert werden können.

Brexit und politischer Rechtstrend in mehreren Ländern sind Alarmsignale!

Angst ist ein schlechter Berater für klugen Entscheidungen. Es ist gefährlich, die Bürger zu fragen, was sie wollen, wenn genau die Menschen, die man fragt, teilweise unbegründet Angst vorm Verlieren des Gewohnten empfinden. Schlimmer noch, wenn man an deren Gefühl nicht interessiert ist oder diese weder ausreichend oder sogar gänzlich falsch informiert. Transparenz, Aufklärung und Bildung ist daher besonders wichtig, um Angst zu reduzieren, damit kluge Entscheidungen getroffen werden.

Ängstliche Menschen gehen leider nur zu leicht Rattenfängern ins Netz, die ganz andere Interessen verfolgen – Interessen, die viele Wähler und Wählerinnen nicht erahnen. Mit und durch Angst lassen Menschen sich besser führen und kontrollieren. Blöderweise wissen dies ausgerechnet die, die diese Angst auf ganz subtile Art und Weise zu ihrem Vorteil ausnutzen.

Wie gut es den westlichen Nationen geht, wurde durch die digitalen Medien sichtbar – kein Wunder, dass Menschen aus ärmeren Ländern oder Ländern, in denen Kriege geführt werden, sich das gern mal aus der Nähe nicht nur anschauen wollen; ich würde es nicht anders machen. Das Volk, also der Großteil der Bürger der ehemaligen DDR, wäre wohl nicht auf die Idee gekommen, die Mauer einzureißen, wenn’s ihnen in ihrer „alten Heimat“ besser ergangen wäre oder sie frei ihre Meinung hätten sagen dürfen. Abgesehen davon, verdankt Deutschland seinen Reichtum vielen Ausländern die in der Nachkriegszeit am Aufbau mitgewirkt haben. Dass sich auch andere Menschen davon angesprochen fühlen, ist nur zu verständlich. Nun aber aus eigener Angst vor Verlust diesen verängstigen Menschen aus anderen Ländern noch mehr Angst zu machen, das ist langfristig gar keine gute Lösung.

Ermutigung, wie „Wir schaffen das!“, ist leider nicht so hoch im Kurs. Wie schade oder sogar schlimm, denn auch ich bin der Meinung, wir könnten es schaffen (bzw. hätten es schaffen können [fast resignativ hinzugefügt]), wenn wir nicht so eine Scheißangst hätten, dass uns jemand etwas wegnimmt.

Eine Entwicklung zu mehr Nationalismus – im Kleinen wie im Großen –stabilisiert in keiner Weise unseren Wohlstand, sondern vernichtet ihn. Wir als Nation sind in einer vernetzen Welt zu klein, wir brauchen die Gemeinschaft, in der wir nur zusammen groß sein können. Und wir lernen Gemeinschaftssinn im Kleinen – das heißt ummittelbar vor unserer Haustür oder sogar in den eigenen vier Wänden.

Doch die fatalen Folgen von mehr Nationalismus sind im Moment für viele Deutsche und Europäer real nicht erkennbar. Das erinnert mich ans Zigaretten rauchen. Als ich noch aktiver Raucher war, verspürte ich nach einiger Zeit das Bedürfnis, eine Zigarette rauchen zu wollen – also zündete ich mir eine an. Doch dass ich damit mein Leben verkürze, das konnte ich nicht spüren. So ähnlich ist es mit manch einem, der glaubt, es brauche mehr Nationalismus oder die noch härtere „Gangart“ Rechtsnationalismus. Knall auf Fall rechts gewählt, befriedigt ein schädigendes Bedürfnis; langfristig jedoch führt es aber ins Desaster und wenn man sich die Historie anschaut – zu Tod. In Bezug auf die Bundespolitik ist es derzeit leider so, dass wir jetzt alle, vier Jahre lang mitrauchen müssen, ob wir wollen oder nicht. Ich hoffe sehr, dass es uns gelingen wird, diese Verirrung wieder ablegend unter die 5% zu bekommen.

Unterteilt man die Welt in die verschiedenen Wirtschaftszonen USA, Russland, Asien (vor allem China und Indien) und Europa, wird klar, dass, falls eine einzelne Nation innerhalb Europas glaubt, wieder allein klarzukommen, deren Rückfall zum Nationalismus fatale Folgen zeigen wird, die zu Isolation führt. Für uns Deutsche, die wir uns an den Wohlstand gewöhnten, wäre das wie eine Katastrophe. Nicht direkt für mich, ich werde wohl gerade noch durchkommen, doch schon für meine Tochter und deren Generation wird es anders sein. Es wird kein Zurück geben auf die Insel! Die Erde ist die Insel.

Die Folgen der Digitalisierung, die Umweltprobleme, das Bevölkerungswachstum, die Möglichkeit der atomaren Gleichstellung auch kleiner Staaten und der Rückzug der USA von der internationalen Bühne, angeführt von Donald Trump („make America alone again“), sind nicht durch ein „Zurück zu den guten alten Zeiten“ zu lösen.

Dass das Gefühl der Angst zu seltsamen Entscheidungen führt, ist bei dem globalen Wandel nur allzu verständlich. Daher ermuntere und appelliere ich, sich mit Ängsten genauer zu beschäftigen: mit Deinen eigenen Ängsten und den Ängsten anderer. Aus Angst kann viel zu schnell Hass werden, Ignoranz, Intoleranz oder Wut. Wer nicht lernte, mit Angst umzugehen, zieht sich zurück, igelt sich ein, schaut weg oder gibt anderen die Schuld. Manche wollen sich rächen, werden aggressiv oder wählen ominöse Parteien und begründen das dann etwa noch mit vermeintlichem „Die müssen mal einen Denkzettel bekommen“.

Nationalismus ist in einer vernetzten Welt keine Option

Die Welt ist im Wandel, Grenzen verschieben sich, Macht wird neu verteilt; Immer mehr Menschen kommen zu uns, die so anders sind wie du und ich. Um damit umgehen zu können, braucht es Mut, Toleranz und die Offenheit, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und sich für deren Themen und Probleme zu interessieren. Das heißt nicht, dass sich alle Menschen lieben müssen. Doch im Austausch sein, Standpunkte mittels Dialog deutlich machen und Gefühle zum Ausdruck bringen, das könnte ein erster Lösungsansatz sein. Und die Ausbildung dazu könnte unter anderem in Unternehmen stattfinden, die weiterhin daran interessiert sind, auf der internationalen Bühne Geschäfte zu machen.

Ich appelliere an international und national tätige Unternehmen und intelligente Führungskräfte: Es ist auch „Eure“ Aufgabe, aufzuklären, sich mit dem Thema Angst – speziell Zukunftsangst – zu beschäftigen, zu erlernen, mit guten und weniger guten Gefühle umzugehen und zu lernen, gleichzeitig klug und gefühlvoll zu kommunizieren. All die Unternehmen, die davon profitieren, von anderen Ländern mit Rohstoffen versorgt zu werden, sollten sich darüber gut informieren, wie wichtig es für deren Existenz ist, global konkurrenzfähig zu bleiben, statt sich aus Angst abzuschotten. Unternehmen, die mit anderen Ländern Geschäfte unterhalten, oder Unternehmer, die davon profitieren, dass Menschen Geld verdienen und regional einkaufen, sollten sich dafür einsetzen, dass ihnen Angst ihr Geschäft nicht zerstört. Führungskräfte sollten lernen und lehren, wie wichtig es ist, mit der Angst vor Globalisierung und der Digitalisierung umzugehen, damit Mitarbeiter sich nicht manipulieren lassen. Dass die Belegschaft besser informiert, ja gebildet wird, sowohl über Fakten, als auch über Gefühle und den Umgang mit negativen Emotionen oder der Angst vor dem Fremden. Dass Mitarbeiter und Führungskräfte erfahren, wie leicht man manipuliert werden kann und wie man sich davor schützen kann.

© Ralf Haake

1 Comment

  1. Axel Culmsee sagt:

    Angst!? Das ist gar nich‘ schlimm, wenn du Angst hast.
    Aber welchem Kind wird das schon beigebracht! Oder erklärt? Geschweige ohne Verklausulierung beredet, um nicht analysiert zu sagen, was schon gar nicht stattfindet. Bestenfalls in den allerwenigsten Familien in verschwindend geringem Umfang des Bevölkerungsanteils, glaubt man Untersuchungen.
    Doch das scheint mir der Knackpunkt von allem auch obig besagtem Desaster zu sein. Und da ist das Schiff für die allermeisten Erwachsenen abgefahren, wie man manchmal flapsig feststellt. Doch eben drum ist solch ausgewachsenes Gegensteuern in heutiger Zeit absolut notwendig, will man, also jeder Leser selbst sich hinterfragen sollte, überhaupt daran rütteln, was die da oben mit PseudoPersilScheinheiligkeit zum vermeintlichen Wohl aller so durchziehen. Selbst wenn diese irdische „Insel“ mit all den Nobel-Derivaten und fantastisch phantasievollen -Fortentwicklungen nicht aus der solaren Umlaufbahn gebracht werden kann, unbewohnbar wird sie wohl werden, wenn es so weitergeht. Doch hoffen wir für unsere Nachfahren, dass unserer weniger Vorstellungen real nicht so apokalyptisch ausufern, sondern quasi nur lediglich die weniger destruktiven social analystics den heutig Jüngeren zu schaffen machen werden, was dann ein ganz anderes Gegengebären auszulösen hat – wie auch immer das dann aussehen wird…
    Also: Wehret den Anfängen! Historisch belegter Ausspruch, doch die Geschichte hat sich schon viel zu oft in den letzten Jahrhunderten wiederholt und übertroffen im schlimmer werdend Möglichen, das möglich nicht nur schien und dann wurde. Haltet ein! Isolationistisch funktioniert nicht. Gemeinsam gilt es, die Zukunft zu entdecken …
    „Wer heute Kinder seine Freunde nennt,
    die Macht des Friedens mit Ihnen erkennt.
    Aber gib acht vor der großen Gefahr,
    Manipulation birgt Unrecht für wahr.“
    Und in diesem Sinne sollten gerade verantwortungsbewusste Chefetageler ihre Möglichkeiten prüfend ausschöpfen, um Grundsteine zu pflanzen, damit Neues wachsen kann, weg von althergebrachter OhnMacht. Fortschrittlicher Wandeln zum wahrhaft Positiven kann nur unter Vermeiden alter Fehler umgesetzt werden.

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